Geschichtliches

Der Vorläufer zur BBG Bootsbau Berlin GmbH wurde im Jahre 1890 von Claus Engelbrecht gegründet. Etwa 50 Jahre lang baute er vornehmlich Yachten und andere Freizeitboote, bis die Fabrik zum Beginn des zweiten Weltkrieges zwangsweise auf die Produktion von Torpedobooten, Minensuchern und anderem Kriegsmaterial umgestellt wurde.

Nach Ende des Krieges wurden dann zunächst Plastikschuhe auf dem Gelände erzeugt. Die Erfahrungen, die in dieser Zeit mit der Verarbeitung von Plastiklaminaten gemacht wurden, waren 1949, als die Nachfrage nach Schuhen nachließ, hilfreich, denn zu dieser Zeit begann die mittlerweile wiederaufgebaute Fabrik erneut mit der Produktion von Booten. Das erste Nachkriegsboot war ein Gutasit-Paddelboot, prinzipiell bestehend aus einer Plastikhaut, die auf ein Holzgerippe aufgespannt wurde.

1949

Im weiteren Verlauf des Jahres 1949 wurde auch der erste Ruder-Einer gebaut, der sich ebenfalls sofort zu einem Verkaufsrenner entwickelte. Weil damals niemand sonst Ruderboote aus Holzlaminaten baute, war die Nachfrage so groß, dass neue Fertigungshallen an der heutigen Lage an der Müggelspree gefunden werden mussten. Im Jahre 1956 wurde die Firma in „VEB Yachtwerft Berlin“ umbenannt, einen volkseigenen DDR-Betrieb mit vielen Werken und mannigfaltiger Produktion von Wasserfahrzeugen aller Art.

1970er

Anfang der siebziger Jahre wurde das erste Komposit-Ruderboot gebaut. Es bestand im Wesentlichen aus einem Fiberglasbootskörper in Epoxydharz, dessen Innenraum mit Holzspanten und Holzverstrebungen ausgebaut wurde. Zu dieser Zeit entstanden auch die distinktiven grauen Bootskörper, die von den Spitzenmannschaften des Ostblocks gefahren wurden. Die Kompositboote waren so erfolgreich, dass sie in kürzester Zeit die Produktion von traditionellen Vollholzbooten fast vollständig verdrängten. Schon 1976 wurden keine Vollholzboote mehr gebaut. Im selben Jahr gewann die DDR 9 der 16 Ruder-Goldmedaillen bei den olympischen Spielen in Montreal. Zusammengenommen gewann die DDR, in der Zeit von 1950 bis zur Wiedervereinigung 1990, insgesamt 583 Medaillen bei Weltmeisterschaften oder olympischen Spielen.

Mit solch einer Medaillenausbeute war die Nachfrage nach unseren Booten natürlich immens. 88% der Produktion wurden zunächst nur in Länder des damaligen Ostblocks exportiert, wo sie im Gros von Nationalmannschaften gefahren wurden.

1981

Erst 1981 begann der Export in den Westen, vornehmlich in die Bundesrepublik, die später, zum Zeitpunkt des Mauerfalls, ca. 6% des Gesamtexports erhielt. Da die Boote der Yachtwerft offensichtlich herausragende Flaggschiffe mit guten Exportzahlen waren, wurde deren Entwicklung und weitere Forschungsarbeit zu DDR-Zeiten vom Staat stark unterstützt. Neue Materialien und Bootsformen wurden ständig getestet und weiterentwickelt.

Die Erfolge der DDR-Ruderer und -Ruderinnen taten ihr Übriges, um zu beweisen, dass unsere Boote schnell waren und sind.

Von 1956 bis 1990 konnte so eine Gesamtzahl von 15.633 Ruderbooten produziert werden, d.h. 460 pro Jahr oder ca. zwei Boote pro Tag!

1990

Mit solchen Produktionszahlen und aufgrund der offensichtlichen Qualität unserer Boote überstanden wir die Umwälzungen der Wiedervereinigung relativ gut.

Natürlich änderte sich vieles: Unser Mitarbeiterstand schrumpfte beträchtlich, unsere Produktionsstätten und das Areal wurden von Grund auf erneuert und sind heute kaum wiederzuerkennen.

Im Jahre 1990 wandelte die Treuhand uns von einem VEB in eine GmbH um. So entstand die BBG Bootsbau Berlin GmbH.

Mit dem Ende des Eisernen Vorhangs und des Kalten Krieges war es möglich, ostdeutsche Erfahrung, Forschung und Entwicklung mit westlicher Technologie und High-Tech-Materialien zu verbinden. Mit einem neuen Namen, voll renoviertem Areal und Werkstätten sowie mit einem freien Markt wurde entschieden, dass die Markenzeichenfarbe von nun an rot sein sollte, denn rot symbolisierte Kraft, Progressivität und ein Streben, die technische Entwicklung weiter voranzutreiben.

2016

Mitte Januar 2016 stellte die BBG Bootsbau Berlin GmbH einen Insolvenzantrag. 

1. März 2016

Seit dem 1. März 2016 führt mit der BBG Bootsmanufaktur Berlin GmbH ein neues Unternehmen die Produktion am alten Standort fort. Dahinter stehen die Schweizer Firma 4row, die twins GmbH, Martin Strohmenger und Anja Schäfer.

Die Geschäftsführung vor Ort übernimmt Anja Schäfer, ehemalige Rennruderin und Bootsbaumeisterin aus dem Ruhrgebiet.